SwissAlpine 2019

84,9 km mit +3640 / – 3877 Höhenmetern sind die Rahmenbedingungen des Irontrail beim Swissalpine. Die Strecke führt dabei durch die fantastische Bergwelt des Schweizer Kanton Graubünden.

Bereits am Donnerstag ging es für mich in knapp 10 Stunden mit dem Zug von Bamberg nach Davos. So blieb bis Samstag etwas Zeit, sich an die Höhe zu gewöhnen und die Landschaft zu genießen. Der Startort des Irontrail, St. Moritz liegt auf etwa 1800 Meter und das Ziel in Davos auf über 1500 Meter.

Die Wettervorhersage verhieß für den Lauftag nichts Gutes, es sollte immer wieder gewittern und max. 16 Grad erreicht werden – im Tal. Für den Sertigpass wurden 3 Grad in den Abend- und Nachtstunden vorausgesagt. Glücklicherweise kam es anders und kurz vor dem Start lichtete sich der Nebel und wir starteten in die aufgehende Sonne. Bis auf ein kurzes Gewitter vormittags auf etwa 2400 Meter hatten wir bestes Laufwetter mit einer tollen Aussicht!

Kurz vor dem Start in St. Moritz

Der Renntag

3.15 Uhr – der Wecker läutet, es ist dunkel… ein frühes Aufstehen an einem Tag, der sehr lange wird. Um 4 Uhr brachte ein Sonderzug die Starterinnen und Starter von Davos zum Start des Irontrail nach St. Moritz. Dort hieß es erst mal Warten bis zum Start um 6 Uhr.

Von St. Moritz nach Bergün

Zum Warmlaufen ging es um den See und weiter nach Pontresina. Nun folgte der erste große Anstieg auf etwa 2400 Meter hoch zur Muottas Muragl, wo sich ein super Ausblick über das Tal und die Bergwelt des Engadins bot.

Ausblick von Muottas Muragl

Anschließend ging es über Serpentinen wieder ins Tal. Über Samedan liefen wir durch das Tal der Beverin auf gut laufbaren Wegen. Nach einer Versorgungsstation ging es auf Singletrails hoch zum Fuorcla Crap Alv. Während des Anstiegs zog ein Gewitter auf, das uns am Berg erreichte. Es wurde kalt und unangenehm, aber der Regen hielt nicht lange an. Hoch über den Albulatunnel der Rhätischen Bahn, die zum Weltkulturerbe zählt ging es nach Bergün. Auf schönen Trails führte die Strecke auf dem Bahnlehrpfad und bot immer wieder schöne Ausblicke auf die Viadukte. In Bergün war das Feld bereits weit auseinandergezogen und ich erreichte den Ort etwa 1,5 Std. vor der Cutoff-Zeit. Zweifel kamen auf – weiterlaufen, abbrechen? Es waren bereits über 9 Stunden und 40 km kamen noch… Weiterlaufen!

Entlang des Bahnlehrpfad nach Bergün

Von Bergün nach Davos

Nach Bergün ging es gleich wieder auf den Berg hoch. Diesmal auf einem Forstweg, auf dem ich gut vorankam. Die Gruppen wurden kleiner, es wurde ruhiger und alle gingen in ihrem Tempo. Unterhalb des Darlux gab es einen Brunnen als Versorgung und es ging weiter… Wir blieben auf der Höhe, liefen über Weiden immer mit der Aussicht auf die Berge. Bei Chants erwartete uns nochmals eine Versorgungsstelle bevor der 4 km lange Anstieg zur Kesch Hütte auf 2625 Meter folgte. Nun wurde es richtig anstrengend und steil! Zudem zog aus dem Tal Nebel auf, aber wir hatten Glück und es kam kein Regen auf. Die ersten Schneefelder waren nun am Wegrand, später überquerten wir diese auch. An der Hütte angekommen, gab es eine warme Bouillon, die guttat. Nach einer sehr kurzen Rast ging es durch eine Senke Richtung Sertigpass weiter.

Die Keschhütte auf 2625 Meter ü.d.M.

Schön langsam wurde klar, dass die Sonne bald untergehen würde. Der Weg wurde immer felsiger und mit dem 2739 Meter hohen Sertigpass erreichte ich den höchsten Punkt des Laufes. 18 km lagen nun noch vor mir und die Hoffnung, vor 24 Uhr ins Ziel zu kommen. Der Abstieg war aber zu anstrengend und steil, so dass Laufen nicht möglich war. Es ging noch über 1200 Höhenmeter bergab. Langsam ging es ins Tal und Schritt für Schritt Richtung Davos. Nachdem das steilste Stück geschafft war, kam die Stirnlampe zum Einsatz und ich lief in die Nacht. Über Sertig Dörfli und Clavadel führte die Strecke dem Ziel entgegen. Schilder zeigten noch 15, 10 km an… Schließlich nur noch 2 km! Inzwischen war klar, dass es wahrscheinlich eine Zeit unter 19 Stunden werden wird. Wie in Trance folgte der letzte Abstieg nach Davos und der Zieleinlauf im Stadion. Ein paar wenige Zuschauer feuern die Läuferinnen und Läufer noch an. Mit einem lauten „JA!“ überquere ich nach 18:58 Std. die Ziellinie und war überglücklich! Es war geschafft!

Der Swissalpine war zwar nicht mein längster Lauf, aber durch das Höhenprofil und die meist alpinen Trails mein anstrengendster Ultra. Bei gutem Wetter eine sehr schöne und empfehlenswerte Strecke für alle, die gerne sehr lange unterwegs sind. Bei längerem Regen hätte ich den Lauf wohl abgebrochen. Übrigens kam der Sieger nach 9:02 Stunden ins Ziel…

85 km | 18:58.34 | +3640 / – 3877 Hm

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