Neideck 1000

Er gilt als der härteste Halbmarathon nördlich der Alpen – dem ist nichts hinzuzufügen! Auf knapp 22 km werden 1.000 Höhenmeter überwunden. Dabei verläuft die Strecke größtenteils auf schmalen Trails entlang des Wiesenttals in der Fränkischen Schweiz.

Im dritten Anlauf funktionierte es nun mit meinem Start. In den beiden Jahren zuvor war ich zwar angemeldet, konnte aber nicht starten, weshalb ich mich umso mehr freute, dass ich von den zusätzlichen 50 Startplätzen einen bekam. Eigentlich war ich durch den Chiemgauer 100 und die Läufe im Ötztal an Steigungen gewöhnt, aber vor dem Lauf mussten nochmal ordentlich Höhenmeter trainiert werden. Dazu ging ein einmal in die Fränkische Schweiz für einem Halbmarathon mit knapp 600 Hm und in Bamberg baute ich viele Steigungen ins Training ein. Highlight war ein Lauf über 23 km mit 975 Hm, der mich 5x auf die Altenburg und 1x in den Michelsberger Wald führte.

In der Woche vor dem Lauf war es sehr ungewiss, wie sich das Wetter entwickeln wird. Regen würde bei dieser Strecke zu sehr rutschigen Trails führen. Am Lauftag hatten wir aber Glück und es blieb trocken. Allerdings waren die Wege im Wald durch den Regen der Tage zuvor trotzdem rutschig, was äußerste Vorsicht, vor allem beim Bergab laufen, bedeutete.

Der Veranstalter hatte ein ausgeklügeltes Hygienekonzept erstellt, bei dem die Starterinnen und Starter in einem ersten Schritt ihre Zielzeit angeben sollten. Daraufhin wurden Zeitslots für jeweils 10 Personen festgelegt, in denen sie ihre Startnummern abholen und anschließend starten konnten – sehr aufwändig, aber perfekt organisiert! Für mich bedeutete dies, Abholung der Startnummer gegen 9 Uhr und Start um 9.32 Uhr.

Gestartet wurde am Sportgelände nahe der Wiesent und bereits nach wenigen Metern folgte der erste Anstieg. Es ging am Modeleisenbahnmuseum vorbei und über Treppenstufen verließen wir Muggendorf. Im Wald ging es nach rechts und die Strecke stieg immer weiter an. Von etwa 300 Meter im Wiesenttal auf etwa 500 Meter nach 3 km. Nach dem Quakenschloss wurde mit dem Adlerstein nahe Engelhardsberg der höchste Punkt der Strecke erreicht. Nun ging es wieder bergab, anfangs sehr gemächlich am Ortsrand von Engelhardsberg entlang, anschließend durch den Wald zur Riesenburg und weiter an die Wiesent.

Riesenburg

Nach etwa 100 Metern im Tal folgte der heftigste Anstieg des Laufs: auf etwa 6-700 Meter wurden etwa 140 Höhenmeter überwunden! An Laufen war hier nicht mehr zu denken. Oben angekommen, gab es eine kurze Verschnaufpause mit einem kurzen Stück bergab auf Teer. Im Folgenden liefen wir immer zwischen 400 und 500 Meter in einem ständigen Auf-und-Ab. Die Steigungen waren mal steiler, mal flacher, aber immer anspruchsvoll. Etwa bei km 8 erreichten wir ein weiteres Highlight der Strecke: die Oswaldhöhle, durch die der Lauf führte. Zuvor mussten wir einen Abstieg zur Höhle bezwingen, der durch Felsen und Wurzeln schwer laufbar war.

Hoch über dem Wiesenttal führte uns die Strecke weiter auf dem Frankenweg an Muggendorf vorbei. Etwas abseits der Strecke lagen schöne Aussichtspunkte, von denen sich der Ort und das Tal überblicken ließen.

Blick über Muggendorf

An einem Parkplatz am Dooser Berg war die erste Versorgungsstelle eingerichtet und es tat gut, eine kurze Pause einzulegen, um einen Schluck zu trinken. Ich merkte bereits, dass es nicht ganz rund lief und der Lauf eigentlich zu viel Kraft kostet. Mir steckte noch ein Muskelkater von den Läufen der letzten Tage in den Oberschenkeln. Hätte ich doch einen Tag mehr Pause gemacht… Über die Koppenburg ging es weiter zur Rosenmüllerhöhle, vor der es in wenigen Metern über Treppenstufen etwa 70 Hm bergauf ging.

Auf schönen Trails liefen wir weiter auf dem Frankenweg. Etwas ungewohnt, da die Strecke in entgegengesetzter Richtung wie der Frankenweg-Trail verläuft. Von der Rosenmüllerhöhle bis Streitberg waren es knapp 5 km, die auf dem Höhenzug gelaufen wurden. Dabei gab es einen größeren Anstieg mit etwa 130 Hm am Guckhüll. Von diesem ging es nun bis zum Familienbad Streitberg für knapp 3 km nur noch bergab. Teils auf sehr rutschigen Wegen, über Serpentinen, aber auch über gut laufbare Abschnitte. Besonders cool war ein Abschnitt mit blauen Schutzgittern um jungen Bäumen – hier fühlte es sich irgendwie wie fliegen an.

An der Muschelquelle erreichten wir eine zweite Versorgungsstation. Hier zeigte sich, wer die Unterlagen aufmerksam gelesen und einen Becher eingepackt hatte. Ich habe ihn leider vergessen… Aber mit 1,5 Liter Wasser im Rucksack störte es mich nicht. Auf Teer ging es nun durch Streitberg und über die B470 zum Familienbad, wo der letzte große Anstieg uns erwartete. Von km 17 bis km 20 führte die Strecke zur Ruine Neideck und weiter nach Trainmeusel.

Nun war es fast geschafft! Nur an einem Feld vorbei, in den Wald laufen und ein letzter Downhill… Dieser hatte es aber noch mal in sich! Steil, rutschig und kurvig ging es dem Ziel entgegen. Im Tal angekommen, überquerten wir die Bahnlinie und liefen entlang der Wiesent zum Start, wo sich auch das Ziel befand. Es war ein super Gefühl, nach diesem sehr anspruchsvollen Lauf das Ziel erreicht zu haben und eine besondere Medaille zu bekommen.

Für mich ist der Neideck 1000 ein absolutes Highlight, das einen festen Platz im Laufkalender erhällt bzw. den ich sicherlich öfter für mich alleine laufen werde. Besonders freute mich auf dem Weg zum Auto, dass mir eine Läuferin zurief, ob ich der Autor des neuen Laufbuchs bin und meinte, es wäre ein super Buch. Sowas tut gut…

21,6 km | 2:50:08 Std. | 1.016 Höhenmeter

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