Marathon bei -16 Grad

Inzwischen ist es eine kleine Tradition, dass ich an meinem Geburtstag einen Marathon laufe. Dummerweise ist dieser im Februar, was extreme Wetterbedingungen zur Folge haben kann. In diesem Jahr fiel mein Geburtstag in die kälteste Woche des Winters… Beim Start wurden -16 Grad angezeigt, dafür strahlender Sonnenschein.

In den Tagen vor dem geplanten Lauf überlegte ich mit meiner Laufbegleitung lange hin und her. Sollen wir einen Marathon wagen oder doch nur einen kürzeren Lauf. Es war keine leichte Entscheidung, denn ich wollte nicht auf den Marathon verzichten, obwohl die Bedingungen nicht gerade die besten waren. Mein Kumpel war eher für einen kürzeren Lauf. Was also tun?

Die erste Entscheidung war die Änderung der Strecke. Eigentlich wollten wir über den Steigerwald Panoramaweg von Bamberg bis Eltmann laufen und durch das Maintal wieder zurück, was eine Streckenlänge von etwa 45 km mit 800 Hm ergeben hätte. Nachdem aber selbst im Michelsberger Wald die Wegbeschaffenheit sehr unterschiedlich war, wollten wir das Risiko nicht eingehen, bei den Minusgraden durch tiefen Schnee laufen zu müssen, was zusätzliche Kraft kosten würde. So entschieden wir uns für eine andere Strecke, bei der es ziemlich sicher war, dass sie gut laufbar sei. Es sollte von Bamberg über Hallstadt nach Baunach und Breitengüßbach gehen. Von dort über Kemmern zurück und zum Abschluss noch eine Runde am Main-Donau-Kanal. Die Strecke war so geplant, dass es verschiedene Möglichkeiten zum Abkürzen gab, falls es nötig sei.

Soweit die Vorbereitungen zur Strecke. Aber was Anziehen bei diesen Temperaturen? Es musste ein mehrteiliger Zwiebellook werden, durch den ich die Kälte nicht besonders spürte, wobei meine größte Sorge den Händen galt, da ich an diesen immer sehr leicht friere. So beschloss ich nach einer 2 km-Runde über die ERBA-Insel, noch ein zweites Paar Handschuhe anzuziehen, was half. Auf die Trinkblase im Rucksack verzichtete ich… Das Wasser wäre eh gleich eingefroren. Vor allem im Schlauch hätte ich nur noch Eis gehabt. Ich nahm nur ein paar Gels und Traubenzucker mit, zudem Geld und eine Maske. Bei Bedarf hätte ich mir unterwegs etwas zu trinken kaufen können, was aber nicht nötig war.

Bei strahlendem Sonnenschein und -16 Grad startete ich also um kurz nach 8 zu meiner kurzen ERBA-Runde, nach der ich Richtung Bischberg lief, um meine Laufbegleitung abzuholen. Durch den Sonnenschein fühlte es sich gar nicht so kalt an. Na ja, schon kalt, aber nicht wie -16 Grad eben.

Wir liefen entlang des Radwegs Richtung Hallstadt und folgten dem Main bis Dörfleins, wo wir einem schmalen Trail am Waldrand folgten. Ein sehr schöner Weg, der Teil des 7-Flüsse-Weges ist und den ich sehr gerne laufen, besonders im Sommer mit den beiden Kellern. Durch die Kälte war der schneebedeckte Weg gut laufbar und in einem ständigen Auf und Ab ging es in einem guten Tempo vorwärts. Nach etwa 12 Kilometern erreichten wir Baunach mit seinen schönen Fachwerkhäusern.

Von Baunach aus ging es am Südsee vorbei über einen Wiesenweg weiter. Ein paar Tage vor dem Lauf war hier noch alles überschwemmt, was uns an einer Stelle zum Verhängnis wurde. Wir mussten den Weg verlassen, hoch auf dem Bahndamm und über eine Bahnbrücke laufen. Es machte so viel Spaß, bei der Sonne unterwegs zu sein und die wärmende Kraft zu spüren. Wir überquerten den Main und gelangten in ein Gewerbegebiet von Breitengüßbach, von dem aus es auf einem Feldweg geradeaus nach Kemmern ging. Glücklicherweise war es windstill, da wir auf dem Feldweg völlig ungeschützt waren.

In Kemmern schwenkten wir auf den MainRadweg ein, der uns wieder an die Mainbrücke bei Hallstadt führte. Wir liefen weiter durch den Ort, unterquerten die A70 und gelangten in die Kleingartensiedlung im Bamberger Norden. Vorbei am Aufseßhöflein erreichten wir die Coburger Straße, über die wir zum Friedhof gelangten und weiter zur Löwenbrücke liefen.

Aufseßhöflein

Inzwischen waren wir etwa 30 km unterwegs und es fühlte sich immer noch gut an. Die Kraft war noch da, die Beine spielten mit, so dass wir nicht ans Aufgeben dachten.
Am Adenauer Ufer liefen wir Richtung Süden. Immer wieder trafen wir Spaziergänger, andere Jogger oder Radfahren, was Abwechslung bot und das Laufen erleichterte. Nun folgten immer häufiger Blicke auf die Uhr: Wie weit müssen wir weiter nach Süden laufen, um in Gaustadt 42 km zu erreichen bzw. meine Laufbegleitung in Bischberg. An der Schleuse entscheiden wir uns, noch über den Schwimmverein hinaus ein Stück am Kanal zu laufen, bevor wir umkehrten und über Bug den Rückweg antraten. Am Kanal war es das reinste Winterwonderland! Alles Schneebedeckt, auf dem Wasser Eisschollen und strahlender Sonnenschein. Ein Traum!

Von Bug aus führte uns der Rückweg am Kanal entlang, das Tempo wurde nun deutlich langsamer und ich spürte meine Beine, hatte ich doch bis dahin erst 3 Tage Laufpause in diesem Jahr. Aber es ging und wir näherten uns beständig meinem Ziel in Gaustadt. So wie es aussah, würde es zudem eine Punktlandung werden. Auf dem letzten Stück am Kanal wurden wir durch das leichte Gefälle unterstützt und konnten so ein paar Kräfte einsparen. Die ERBA-Insel war erreicht – nur noch etwa 2 km… Zähne zusammenbeißen und noch mal Versuchen, alles zu geben. Nach der Schwarzen Brücke musste ich noch etwa 500 Meter anhängen und lief nach rechts weiter, wo ich nach den 42,2 km einen lauten Freudenschrei von mir gab. Es war geschafft! Meine Laufbegleitung mobilisierte nochmal alle Kräfte, gab Gas und finishte in Bischberg den Marathon.

Für mich gab es zum Finish eine Medaille von meinem Kleinen und natürlich ein alkoholfreies Weizen. Nachmittags dann noch Kaffee und Kuchen – ein perfekter Geburtstag!

42,2 km | 3:46:22 Std. | 111 Hm | 5:22 min/km

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